Alles bereit für die Party

Waldemar fühlte sich immer weiter in seiner Befürchtung bestätigt. Donald und Perry hatten den ganzen Tag nichts anderes im Kopf, als über diese Party zu sprechen. Sie arbeiteten zwar, doch anstelle von konstruktiven Kommentaren, Ideen und was sonst normalerweise bei der Arbeit gesprochen wurde, sinnierte Perry nur durchgehend über das, was wohl auf der Party passieren würde. Donald korrigierte hingegen immer wieder seine Fantasie und bog sie in die Richtung, die wahrscheinlicher war.

Schon am Nachmittag hielt es Donald und Perry nicht mehr an ihren Rechnern. Donald wollte einkaufen, da ihm massiv der Magen knurrte und Perry bat ihn um Unterstützung bei der Auswahl neuer Kleidung. Ausser seinen bequemen Sachen hatte er nur noch ein paar Anzüge im Schrank, welche er jedoch nur bei Präsentationen vor interessierten Sponsoren trug. Für eine Party war nichts dabei. Also, Shoppen.

Nebenan räumten die Mädels derweil ihr Zeug in die Schränke. Elena war da zweckorientiert. Sie hatte eigentlich nichts, was einfach nur Dekoration war. Alles hatte einen Nutzen und alles fand seinen festen Platz. Claudia hingegen war sehr Detailverliebt. Ihr ganzes Zimmer wurde mit Dekor vollgestopft, welches einem bestimmten Thema folgten. Liebe! Alles hatte irgendwie damit zu tun. Es gab kleine Engelchen mit Flügeln, Windel, Pfeil und Bogen, sowie viele Herzen in verschiedenen Grössen. Bilder mit Liebessprüchen und auch die Bettwäsche war weiss und mit roten Herzen übersät. Katja war deutlich einfacher gestrickt. Sie hatte Unmengen an Zeug und das flog ungeordnet in die Schränke. So wie es aus den Umzugskisten kam, wurde es verstaut und da spielte es auch keine Rolle, ob in einem Fach eines Schrankes Kleider waren, darunter Bücher und dann vielleicht Snacks. Ein wirkliches System hatte sie nicht. Das heisst, eine Gruppe von Dingen hatte sehr wohl einen bestimmten Platz. Ihre Spielzeuge! Katja, die von ihrer Art her schon fast nymphoman genannt werden konnte, hatte einen grossen Fundus aus diversen Utensilien, die das Liebesspiel bereichern konnten. Von Liebeskugeln über Dildos und Vibratoren bis hin zu Handschellen, Augenmasken und Peitschen.

Die Frauen waren alle in ihren Zimmern beschäftigt. Kein Grund jedoch, sich nicht zu unterhalten. Es wurde eben etwas lauter.

»Wer kommt denn jetzt alles heute Abend?«

»Guck doch in der Gruppe Katja!«

»Mein Handy liegt aber im Wohnzimmer!«

»Oh je. Die ganze Crew hat zugesagt. Deiner kommt auch!«

Die Mädels kommunizierten hauptsächlich über ihre Handys mit der Aussenwelt. Line, ihr bevorzugter Messenger, war zu so etwas wie ihrem Assistent in allen Lebenslagen geworden. Da wurden Gruppen erstellt, Notizen verteilt, Bildergalerien gepflegt und ähnliches.

»Könntest du mal aufhören den meiner zu nennen Claudia?«

»Warum? Sie hat doch Recht! Der klebt dir doch dauernd am Arsch, wie dein Schatten!«

»Ja und? Ich hab einmal mit dem gevögelt und das war so langweilig, dass ich eingeschlafen bin. Ich will nichts von dem!«

»Ach komm schon, der ist süss!«

»Dann hol du ihn dir Elena! Er ist süss, aber was bringt es mir, wenn er im Bett langweiliger ist als dein Bruder?«

»Katja! Du sollst den Quatsch lassen!«

»Ja? Dann hört ihr auf den als meiner zu bezeichnen!«

Katja hatte nie etwas mit Elenas Bruder, zog sie aber gerne damit auf.

»Also die ganze Mannschaft und die zwei Jungs von nebenan?«

»Sieht danach aus Süsse!«

»Cool. Drei Frauen und neun Männer. Das wird lustig! Ist genug Alk da?«

»Wird nachher geliefert! Elena, Material?«

»Die Jungs bringen mit! Die haben sogar Pilze organisiert!«

»Echt? Geil! Auf so einen Trip hab ich richtig Bock!«

»Irgendwann bringt ihr euch noch damit um!«

»Katja, du bist ein echter Spiesser! Nur weil du dich verweigerst müssen wir nicht genauso langweilig sein!«

»Genauso langweilig Claudia? Wer hat denn schon zwei Mal mit einem Typen gevögelt und ist am nächsten Morgen schreiend wach geworden?«

»Als wärst du noch nie mit einem in die Kiste, der hinterher dann doch nicht so umwerfend war!«

»Aber noch nie, weil ich durch irgendwelche Drogen Halluzinationen von irgendwelchen Filmstars hatte!«

»Hatten wir nicht ausgemacht, du rümpfst nicht mehr die Nase, solange du es nicht probiert hast?«

»Doch, haben wir Elena. Bin ja schon ruhig!«

Unterdessen in einem Kaufhaus. Was Perry sich da für Klamotten ausgesucht hatte, war für Donald unverständlich. Einmal sah er aus wie ein Zuhälter, nächstes mal dann wie ein Professor und zum guten Schluss noch wie ein Penner. Das ging so nicht. Donald übernahm die Auswahl und siehe da, schon sah Perry halbwegs brauchbar aus. Der liess es sich dann aber nicht nehmen, zumindest Katja ein kleines Geschenk für den Einzug zu kaufen. Eine Blume sollte es werden. Aber keine gewöhnliche. Wenn, dann eine Orchidee! Donald schüttelte nur den Kopf.

Donald, der sich neben ein paar neuen Schuhen nichts weiter kaufte, schleifte Perry hinterher noch in eine Drogerie. Wenn ihm eins nicht ausgehen durfte, dann waren es Kondome! Schlussendlich dann noch die Einkäufe für die WG und zurück nachhause.

Waldemar verstand den ganzen Aufstand nicht. Warum sich für eine Party, auf die er sowieso nicht wollte, neu einkleiden? Er blieb lieber an seinem Computer und arbeitete an dem Protokoll für die Software. Das musste schnell sein, nur minimale Pakete verschicken und ausserdem musste es sicher sein. Firmen würden sich nicht auf die Software einlassen, wenn ihre internen Geheimnisse nicht optimal geschützt waren. Also genau das, was Waldemar mehr als perfekt realisieren konnte!

Als Donald und Perry aus dem Fahrstuhl stiegen, lief ihnen Claudia in die Arme.

»Hey Jungs! Wir haben uns ja noch gar nicht kennengelernt. Ich bin Claudia!«

Donald liess sofort eine der Tüten fallen und ergriff die angebotene Hand der jungen Frau.

»Donald, sehr angenehm!«

»Donald? Ich hätte jetzt eher gedacht, dass du Perry bist!«

Perry hob eine Augenbraue.

»Nein, ich bin Perry.«

Claudia schaute zu Perry, zu Donald, wieder zu Perry und wieder zu Donald.

»Hmm. Katja meinte, dass Schnabeltier sei ein echter Leckerbissen. Hat wohl die Namen verwechselt.«

Perry wurde etwas missmutig. Es war ihm schon immer höchst unangenehm, dass ihn die Frauen, wenn er mit Donald unterwegs war, meist recht abwertend behandelten.

»Wann geht es denn heute los?«

»Ab 21 Uhr. Kommt, wann ihr Lust habt!«

Perry und Donald nickten zustimmend, schleiften die Einkäufe in die Wohnung und auch Claudia ging zurück.

»Katja, die Schnitte heisst übrigens Donald! Perry ist der Kleine!«

»Der Kleine ist doch die Schnitte!«

Elena lachte.

»Ich versteh das auch nicht Claudi. Katja hat offensichtlich am Schnabeltier einen Narren gefressen.«

»Echt jetzt? Da steht so ein Schmachtbolzen und du guckst nach dem Kleinen?«

»Ihr habt ja keine Ahnung! So Typen wie die Ente hab ich dauernd. Das Schnabeltier hat irgendwie was. Keine Ahnung, aber ich find den voll niedlich. Wenn der es auch noch im Bett drauf hat, wer weiss, wer weiss.«

»Echt jetzt? Dir laufen seit Monaten die geilsten Typen hinterher und du verguckst dich in so einen?«

»Ach komm! Verguckt hab ich mich bestimmt noch nicht! Ich glaube aber wirklich, mit dem könnte es interessant werden! Wetten, der erzählt mir nicht dauernd von seinen grossen Erfolgen in seiner Arbeit, wie viel Sport er an dem Tag getrieben hat und wie geil die neue Lotion ist, die er da entdeckt hat!«

»Körperpflege ist wichtig Katja!«

»Stimmt Claudia. Aber wenn das Aufzählen der Lotionen und Cremes länger dauert, als der Sex danach, dann wird es schon irgendwie bescheuert!«

»Ach komm! Du brauchst doch selbst ewig im Bad!«

»Ja und? Ich hab aber nur zwei Shampoos für die Haare, ein Gel für den Körper und Schaum für meine Muschi.«

»Du und dein Schaum!«

»Ja was denn Elena! Ich hab eben keine Lust da unten wie ein altes Fischbrötchen zu riechen! Schon schlimm genug, dass viele der Jungs immer nach Lachs gammeln!«

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