Regeln?

Seltsamerweise finden sich immer wieder Regeln, die man beim teilen beachten sollte. Das finde ich wirklich höchst interessant und sagt mir, nach meiner Erfahrung, dass die Autoren hier unter Zeitdruck etwas zusammengezimmert haben und nicht weit genug in die Materie eingedrungen sind! Wie kann man Regeln für etwas aufstellen, was selbst überhaupt keinen Regeln folgt? Zumal oft auch Punkte angeführt werden, die vielfach nur dann anwendbar sind, wenn nur das Paar involviert ist?

Hier werde ich nun ein paar Punkte aus solchen Regelwerken nennen und mit meiner Erfahrung vergleichen.

Safeword

Tatsächlich finde ich so etwas immer wieder! Als Regel wird tatsächlich genannt, man solle ein Safeword einsetzen, um im Falle eines Falles das Ganze abbrechen zu können.

Ich füge diesen Punkt deshalb an oberster Stelle ein, weil er eine grundlegend falsche Ansicht zu dem Thema offenbart. Safewords sind etwas für den BDSM-Bereich, in welchen Wifesharing ja gerne geschoben wird. Warum eigentlich? Ich finde nichts, was das rechtfertigen würde! Klar, es gibt Fälle, die tatsächlich BDSM-Komponenten beinhalten. Aber, da geht es dann auch nicht mehr um das Teilen an sich! Will zum Beispiel der Mann, dass die Frau mit den Männern die er aussucht Sex hat und kann das von ihr verlangen, dann ist das ein Dom-Sub-Verhältnis und das Teilen nur eine Form der Dominanz! Das hat mit dem eigentlichen Wifesharing in meinen Augen nichts mehr zu tun! Wifesharer wollen in der Regel, dass ihr Partner von sich aus mit einer anderen Person intim werden will! Es geht um dessen Gefühle dabei!

Als Beispiel nehme ich mal mich. Wenn ich meiner Frau sagen würde, sie soll jetzt mit Mister X ins Bett gehen und sie würde es tun, dann würde mein Fetisch nicht einmal darüber nachdenken, dass irgendwie geil zu finden. Es sei denn natürlich, der Typ macht sie heiss und sie hat ihren Spass dabei. Die Fetisch-Befriedigung wäre bei null!

Okay. Darüber hinaus geht es beim Wifesharing ja auch nicht darum, dem Partner Schmerzen, oder ähnliches zuzufügen. Dinge, wo er währenddessen auch darum bitten kann, oder soll, dass man aufhört. Ein Safeword ist also ziemlicher Käse, denn sollte man wirklich einen Rückzieher machen wollen, dann kann man es dem Partner doch einfach sagen!

Das bringt mich zu einem anderen Kritikpunkt! Als Grund für ein solches Safeword, also die Möglichkeit eines Abbruchs, wird gerne der Schnellschuss (Ich liebe dieses Wort in diesem Zusammenhang!) angeführt. Man hat es also vorher vielleicht nicht gründlich durchdacht und bekommt dann kalte Füsse. Ich habe in meinem Beitrag »Was ist wichtig?« ganz oben an erste Stelle gesetzt, dass Wissen Macht ist! Wifesharing ist kein Spiel! Das kann man nicht mal eben ausprobieren und wenn es einem nicht gefällt, hat man eben Pech gehabt! Anal kann man mal versuchen, oder schlucken, ins Gesicht spritzen. Wenn es einem Partner dann so gar nicht gefällt, kann er es einfach abbrechen.

Beim Wifesharing sind Gefühle im Spiel! Die von einem selbst, die vom Partner und schlussendlich auch die einer dritten Person! Ausserdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Partner erst einmal Interesse daran finden musste, sich teilen lassen zu wollen. Er hat also erst langsam angefangen zu akzeptieren, dass er sexuelle Freiheit hat und die kann man ihm nicht einfach geben und es dann hinterher rückgängig machen!

Wenn man es sich nicht ganz genau überlegt hat und sich seiner eigenen Gefühle und Gründe dafür im klaren ist, dann sollte man lieber etwas aus dem Beitrag »Es muss nicht immer Hummer sein!« ausprobieren! Erst wenn man sich 100% sicher ist, dass man es wirklich durchziehen will, sollte man es tatsächlich darauf anlegen und auf jeden Fall bereit sein, es bis zum Ende laufen zu lassen! Auch wenn es einem selbst weh tut, denn alles andere ist dem Partner gegenüber einfach unfair!

Weiterhin berücksichtigt ein Safeword eine Sache mal so gar nicht! Beim Wifesharing ist man nicht immer dabei! Aus gleich mehreren Gründen! Es kann doch zum Beispiel sein, dass die auserwählte Person damit überhaupt nicht klar kommt! Oder der Partner will es nicht. Vielleicht will man es ja auch selbst nicht, da man die Fantasie dabei beflügeln will? Was nutzt dann ein Safeword? Der Partner ist unterwegs und man weiss, dass es gleich passieren wird. Soll man dann schnell anrufen? Hinfahren, falls man weiss wo es ist, oder eine Nachricht schreiben? Was, wenn man nicht weiss, wo es stattfinden soll? Wenn der Partner das Handy gar nicht dabei hat, oder ausgerechnet in dem Eck kein Empfang ist?

Also, aus meiner Sicht ist ein Safeword absolut unnötig! Alleine schon aufgrund der Tatsache, dass man dem Partner ganz offen und eindeutig sagen kann, dass man es dann doch nicht will.

Der erste Kontakt

Mir ist nun schon einige Male untergekommen, man solle den ersten Kontakt auf neutralem Boden stattfinden lassen. Das wäre sehr wichtig!

Das ist nicht ganz falsch! Insofern die Person der Wahl aus dem Internet kommt. Da ist es sicher nicht falsch, sich erst einmal zu beschnuppern. Warum muss man das aber als Regel anführen? Ich meine, der gesunde Menschenverstand sollte einem doch schon sagen, dass so eine erste, reale Begegnung nicht gleich in der Kiste stattfinden sollte. Vielleicht ist der Reiz beim Schreiben ja riesig, doch kaum sieht man die Person, ist der Reiz komplett weg! Es macht also durchaus Sinn, sich in der Hinsicht vorsichtig zu verhalten.

Was dann aber auch gerne hinzugefügt wird, alle Beteiligten sollen sich treffen.

Warum? Business-Meeting? Mit Aktenkoffer, Verträgen, Farbwahl-Karten und so? Was, wenn der Sharer bei so etwas gar nicht dabei sein will, weil er den Partner teilen und nicht verkaufen will? Ist der Partner denn so doof, so ein erstes Treffen alleine durchzuführen? Wie ist er dann jemals mit einem zusammengekommen?

Natürlich kann der Partner einen darum bitten, bei dem Treffen dabei zu sein. Vielleicht will die Frau einen als Beschützer dabei haben, oder etwas in der Art. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, aber eine Regel sollte man daraus nicht machen! Vielleicht will die andere Person ja auch gar nicht, dass man dabei ist? Weil sie sich dann unwohl fühlt, nicht frei sprechen kann, oder wie auch immer? Was dann? Alles abbrechen, weil da eine sinnlose Regel herrscht?

Zudem wird auch noch gesagt, man solle die Rahmenbedingungen festlegen.

Sind wir also wieder beim BDSM, oder wie? Beide Parteien kommen überein, dass …? Noch einmal meine Frage. Ist das ein Business-Meeting? Will man was verkaufen, oder wie? Man sollte dem Partner doch schon soviel zutrauen können, dass er so etwas schon geregelt bekommt, wenn er es nicht ohnehin schon getan hat. Oder war der Partner vor der Beziehung so unbeholfen, dass er zu Beginn alles hat mit sich machen lassen, auch wenn er es nicht wollte? Der Partner sollte doch wissen, dass er sich schützen muss. Genauso wie er wissen sollte, dass man vielleicht keinen Kuss beim teilen haben will. Der kriegt das schon hin!

Das trifft aber alles nur dann zu, wenn die gewählte Person wirklich aus dem Netz, oder einer anderen unpersönlichen Umgebung kommt! Im Allgemeinen wird es aber eher so sein, dass man die Person ohnehin schon irgendwo kennengelernt hat. Es ist eigentlich genau das gleiche Spiel, wie wenn der Partner single wäre! Er lernt jemanden kennen, es entsteht Interesse, dann wird erobert und schlussendlich, wenn alles passt, wird gevögelt! Man sollte mal nicht vergessen, den Fetisch befriedigt der Partner dann, wenn er die andere Person wirklich haben will und nicht, indem sie für einen selbst eben mal jemand knallt! Die Autoren sollten sich vielleicht mal Gedanken machen, um was es eigentlich geht!

Kleidung und Spielzeug

Im Vorfeld sollte geklärt werden, welche Kleidung, Unterwäsche und sonstige Bekleidungsstücke getragen werden und welches Spielzeug zum Einsatz kommen soll.

Meine Güte! Warum denn nicht gleich ein Drehbuch schreiben? Natürlich kann sich der Partner im Vorfeld schon austauschen, aber etwas festlegen? Tut mir leid, aber da würde mein Fetisch sofort die Segel streichen! Der Partner soll ja den Wunsch verspüren, etwas mit der anderen Person zu machen und er wird es schon hinkriegen, den entsprechend zu reizen und herauszufinden, auf was der steht! Genauso wie umgekehrt!

Auch was das Spielzeug angeht. Der Partner wird schon einen Plan davon haben, was er bei dieser Person gerne hätte und die wird ihm auch schon erklärt haben, was sie will! Das funktionierte doch auch, als der Partner single war! Der hat das doch bei einem selbst sicherlich auch hinbekommen, dann wird er es auch bei der anderen Person auf die Reihe kriegen! Ich frage mich manchmal echt, wie lange die Autoren für so einen Artikel recherchieren konnten.

Kosenamen sind tabu!

Ich las diese Regel zum ersten Mal in einem Artikel, der irgendwo auf Seit 18 bei Google zu finden war. Da dachte ich mir nichts besonders dabei, denn im allgemeinen war der Artikel sehr schlecht geschrieben. Auch ich bin ja nun nicht gerade für meine perfekte Ortographie bekannt, doch was der Autor da abgeliefert hat, war echt unterirdisch!

Doch irritierender Weise habe ich das nun auch in einigen anderen Artikeln gefunden. Grund genug, sich damit auseinander zusetzen!

Zum einen, diese Regel verbietet etwas. Wie kann man kategorisch etwas verbieten, wenn es hier um einen Fetisch geht, der in den unterschiedlichsten Ausprägungen vorliegt? Was zum Beispiel, wenn der Fetisch sich in die Richtung entwickelt hat, dass man durch Kosenamen vom Partner zu einer anderen Person erregt wird? Darf man das denn nicht, weil die Regeln es einfach mal so verbieten?

Grund für diese abstruse Regel ist, sie soll Gefühlen vorbeugen! Na klasse! Das, was bei dem Fetisch in den meisten Fällen am wichtigsten ist, wird da einfach mal als unakzeptabel abgelehnt! Das ist echt genial! Der Partner soll also keine Gefühle für die andere Person entwickeln, gleichzeitig aber danach von seinen Gefühlen während der Nummer erzählen. Da beisst sich der Hund doch selbst in den Schwanz!

Eine Sache sollte hier mal klar gesagt werden. Es geht um Sex! Der Partner soll ja nicht mit einer anderen Person einen trinken gehen! Sex hat eben etwas mit Gefühlen zu tun, ob man will, oder nicht! Zumindest muss der Partner ja geil auf die andere Person sein, sonst würde sie ja keinen Sex wollen und dabei kommt es dann zuweilen eben auch mal vor, dass sich eine Verliebtheit ergibt!

Ich habe es schon oft gesagt und ich werde nicht müde, es immer wieder zu sagen! Dieser Fetisch bedarf einer starken Beziehung! Eine Beziehung, die auch eine solche Verliebtheit überstehen kann! Ist man lange zusammen, ist es aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit natürlich deutlich ungefährlicher, wenn da tiefere Gefühle ins Spiel kommen. Aber, auch junge Beziehungen können dafür schon stabil genug sein! Vielleicht kennt man sich schon ewig, es hat irgendwann gefunkt und man merkt, dass es einfach bombig passt. Wichtig ist eben nur, die Phase der Verliebtheit sollte die Beziehung nicht gefährden!

Also. Der Partner darf der anderen Person keinen Kosenamen geben, ihn aber oral befriedigen? Exzellent! Dann kann ja nichts schief gehen und der Partner wird sich auf keinen Fall verlieben. Nie und nimmer! Welch irrsinniger Gedanke!

Der Sex darf nur zur Befriedigung des Sharers erfolgen!

Das habe ich bislang erst zwei Mal gelesen. Setzen, 6! Die Autoren haben das Prinzip vom Teilen komplett gar nicht verstanden!

Wobei ich natürlich zugeben muss, der Fetisch kann sich natürlich auch in dieser Form entwickeln! Man selbst erfährt nur dadurch Befriedigung, wenn der Partner nur für einen selbst mit einer anderen Person ins Bett geht. Nach meiner Erfahrung ist das aber eine Ausnahmeerscheinung und auf den grössten Teil der Anhänger dieses Fetischs nicht anwendbar. Da ist es dann doch schon fatal, es als allgemein gültige Regel aufzustellen, oder?

Es ist nämlich eigentlich ja so, dass der Partner eben fremdgehen soll, sprich, er soll den Sex mit der anderen Person wollen! Denn dadurch ergeben sich Verlustängste, die sind dann wieder Futter für den Masochisten und der macht einen schliesslich geil! Von daher ist eine solche Regel kontraproduktiv und der Grossteil derer, die ihn befolgen würden, würden nie die Befriedigung ihres Fetischs erreichen, denn schliesslich wird der einfach nicht bedient!

Über die Autoren

Auch wenn ich sagen muss, dass die Meisten der Artikel definitiv den Kern von Wifesharing nicht treffen und darüber hinaus oftmals auch Tipps geben, die nur auf einen ganz kleinen Teil der Fetischisten anwendbar ist, möchte ich dennoch eins zu den Autoren sagen.

Die Meisten der Artikel sind gut, bis sehr gut geschrieben! Da sind auch Perlen dabei, die alles in einem eher vertrauten, intimen Rahmen schreiben. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, ausser bei Autoren aus privaten Blogs, die alles selbst machen und eigentlich keiner Deadline unterliegen, dass die Autoren wahrscheinlich nur eine begrenzte Zeit hatten, um ihre Auftragsarbeit abzugeben. Ich stelle mir da gerne vor, dass ein Chefredakteur bei einer Besprechung diesen neuen „Trend“ erwähnt, nach Freiwilligen sucht, oder jemand bestimmt und dem sagt, er soll was darüber schreiben. Bis dann und dann muss das fertig sein. Der Autor hat vielleicht gar keinen Plan, was er mit diesem Fetisch anfangen soll und macht sich erst einmal im Netz schau. Vielleicht hat er dabei noch genug Zeit, um ein paar Interviews zu führen und ähnliches. Vielleicht unterliegt er ja sogar selbst dem Fetisch, jedoch in einer spezifischen Art und hat sich noch nicht die Mühe gemacht, weiter darüber nachzudenken. Wichtig ist dabei aber, er hat einen Abgabetermin und das bedeutet prinzipiell schon, er hat gar nicht die Zeit, wirklich tief in die Materie einzudringen!

Aus meinen Gesprächen mit anderen Sharern weiss ich, in aller Regel befassen die sich mit dem, was sie selbst betrifft. Das ist absolut legitim. Ich für meinen Teil finde jedoch den ganzen Fetisch in all seiner Ausprägung faszinierend und deshalb versuche ich auch, dieses riesige Puzzle zusammenzusetzen. Vielleicht liegt es bei mir auch daran, dass mein Fetisch gerne mal die Richtung ändert und mir zeigt, dass er auch ganz anders kann. Ich weiss es nicht.

Auf jeden Fall will ich sagen, auch wenn ich gerade bei den Regeln Kritik übe, sehe ich die Schuld daran nicht bei den Autoren. Zumindest nicht bei allen. Die haben ihren Job gemacht, ganz gut sogar und deshalb will ich auch keinen Autor selbst kritisieren!

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